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Zwei Abiturientinnen der GYS41 auf dem Jakobsweg: „Wir sind dann mal weg…“ Laura und Saskia aus der GYS41 haben die drei Jahre am Beruflichen Gymnasium durchlaufen und ihre allgemeine Hochschulreife frisch in der Tasche. In den Sommerferien hatten sie sich für einen `Urlaub der etwas anderen Art´ entschieden: „Das letzte Schuljahr ist meiner Meinung nach das schwerste von allen. Das liegt nicht am Unterrichtsstoff oder den Klausuren. Die sind wie alle anderen auch, die man in den vergangenen Jahren so hinter sich gebracht hat. Nein, das wirklich Schwierige ist das Ende, auf das man zurast. Das Ende von gewohnten Strukturen, der Abschied von bekannten Gesichtern und die Aussicht auf nichts Konkretes. Denn: Seien wir ehrlich, egal wie viele Pläne der organisierteste Mitschüler von uns auch hat, wirklich wissen, was kommt, tut auch er nicht. Das kann Angst machen, und die Zeit anhalten kann man auch nicht. So kommt der Tag des Abschlusses dann auch viel schneller als gedacht und das Ende ist keine Zukunftsvision mehr, sondern unsere neue Realität und die geplante Zukunft knüpft nicht nahtlos an das Ende an, sondern lässt uns noch einen ganzen Sommer lang zappeln. Diesen Sommer sollte man nutzen. Urlaub, Entspannung und ein bisschen Jobben für das Gewissen - der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt. Und noch besser wird der Sommer natürlich, wenn man ihn gemeinsam mit Freunden und ähnlichen Plänen verbringt. Bei Laura und mir war die Idee für unseren Sommer nach dem Ende zufällig die gleiche. Wir wollten den Jakobsweg in Spanien machen. Nach gemeinsamer Planung haben wir uns für den Camino del Norte entschieden: fast 700 Kilometer von Bilbao bis Santiago de Compostela. So richtig klar, was wir da tun, wurde es uns allerdings erst, als wir in Spanien ankamen. Fünfeinhalb Wochen Dauerwandern! Warum noch gleich hatten wir uns nicht für zwei Wochen Strandurlaub auf Mallorca entschieden? Die Antwort darauf hat uns zum Glück jeder einzelne Tag gegeben, den wir auf der Wanderung verbracht haben. Wir haben so viele verschiedene Orte gesehen, wir sind über Klippen geklettert und an Stränden entlanggelaufen. Wir sind durch Regen gestapft, durch Nebel und durch strahlenden Sonnenschein. Wir haben Menschen unterschiedlichster Nationalitäten kennengelernt und - ganz wichtig -  auch einiges mehr über uns erfahren. Dieser Weg verlangt einem ganz schön viel ab, da man so viel Zeit hat, über sich und sein Leben nachzudenken. Außerdem gerät man durch die körperliche Anstrengung und die Unterkunftssituation ständig an seine eigenen Grenzen. In Sterne-Hotels kommt man unterwegs definitiv nicht unter. Vielmehr werden Schlafsäle mit Stockbetten zur Normalität - inklusive Schnarchern. Aber so lernt man plötzlich Dinge zu schätzen, die einem vorher im Leben selbstverständlich vorkamen. Und trotz wenigen Stunden Schlaf, dank unbequemer Matratzen, musikalischer Mitschläfer und der oftmals präsenten Angst vor Bettwanzen hat das Klassenfahrtfeeling doch auch seinen ganz eigenen Charme.  Die Reise war von Anfang bis Ende spannend. Auch wenn fünf Wochen Wanderurlaub erst einmal wenig reizvoll klingen, so war definitiv das Gegenteil der Fall. Wir nehmen vieles mit aus der Zeit. Es hat uns einiges an Selbstbewusstsein abverlangt, uns in einer fremden Sprache zu verständigen, aber es hat uns auch stolz gemacht, dass Muttersprachler uns und unser Schulspanisch verstanden haben. Wir mussten an unserer Selbstständigkeit arbeiten, um jeden Tag aufs Neue in einer fremden Stadt etwas zu essen und ein Bett zu bekommen. Und wir mussten lernen, uns selbst und unsere Finanzen zu organisieren, denn fünf Wochen in den Tag hineinleben funktioniert nur mit einem vorher festgelegten Budget. Doch von diesen Fähigkeiten können wir in unserer Zukunft nur profitieren. Und nach dieser Reise erscheint der Blick in unsere nach wie vor ungewisse Zukunft nicht mehr ganz so verunsichernd.“